Lügen machen enge Herzen

Vor kurzem bekam ich eine Nachricht von einer Patientin. Sie war ursprünglich wegen ihrer körperlichen Beschwerden zu mir gekommen; aber es hatte sich sehr schnell heraus gestellt, daß das eigentliche Problem ganz woanders lag. Nach einer sehr intensiven und erkenntnisreichen Sitzung vor ein paar Wochen schrieb sie mir nun: „Liebe Inga… ich muss ausziehen! Aber ich habe sooooo eine Angst davor… mein ganzes Kleinfamilienideal zerfällt damit. Aber es ist unausweichlich. Ich glaube ich bin krank, weil ich schon viel zu lange ein Bild aufrecht erhalte, das gar nicht stimmt. Eine Lüge also.“

Ich war in diesem Moment so stolz auf sie, daß ich Tränen in den Augen hatte.

Kaum etwas erfordert mehr Mut, (Selbst-) Liebe und Stärke, als sich eine Lüge einzugestehen und endlich die Wahrheit auszusprechen. Kaum etwas kann so weitreichende Konsequenzen für unser Leben haben – und kaum etwas bringt uns so sehr in unsere Kraft und in unser Potential.

Es gibt verschiedende Arten von Lügen und Unehrlichkeiten:

Die, die wir anderen erzählen (oder sie uns) und die, die wir uns selbst erzählen.

Die, die bewusst täuschen wollen, und jene, die „nur“ die Wahrheit verschweigen.

Die, die uns einen Vorteil verschaffen, und solche, die uns oder andere schützen sollen.

 

Eines jedoch haben sie alle gemeinsam: Sie alle entspringen einer Form von Angst.

Aber wenn wir mit uns selbst und anderen wirklich in Kontakt kommen wollen; wenn wir wahrhaftige und nahe Beziehungen in unserem Leben wollen, dann gibt es keinen anderen Weg dorthin, als rigorose Ehrlichkeit.

Das bedeutet nicht nur das Lügen aufzugeben, sondern auch unsere eigene Wahrheit auszusprechen und für sie einzustehen, so unangenehm und schmerzhaft das manchmal auch sein mag. Denn Lügen machen enge Herzen, schaffen Distanz und halten uns von anderen Menschen fern.

Und so groß der Schmerz und die Angst am Anfang auch sein mögen: Das Lügen aufzugeben und die eigene Wahrheit anzunehmen, wendet letztlich das ganze Leben zum Besseren.

In „Rückkehr zur Liebe“ (Bitte: LEST! DIESES! BUCH!) hat Marianne Willamson eine ganz wundervolle Passage über Ehrlichkeit in Beziehungen verfasst:

“ (…) Wirkliche Beziehungen erfodern eine ehrliche Kommunikation, ganz gleich, wie schmerzlich oder furchteinflößend das sein mag. (…)

Wir alle haben im Laufe der Zeit unser Herz sehr stark gepanzert – dahinter steckt eine Menge Angst, die sich selbstgerecht als etwas anderes ausgibt. Wie jeder, der sich je einer ernsthaften Therapie unterzogen hat, wohl weiß, ist der persönliche Wachstumsprozeß nicht immer leicht. Wir müssen uns mit unserer eigenen Häßlichkeit konfrontieren. Wir müssen uns oft schmerzhaft die Untauglichkeit eines Musters bewußtmachen, bevor wir bereit sind, es aufzugeben. Häufig hat es tatsächlich den Anschein, daß unser Leben, wenn wir anfangen, tief an uns zu arbeiten, erst einmal schlechter anstatt besser wird. Es wird nicht wirklich schlechter; nur fühlen wir unsere Verfehlungen stärker, weil wir nicht mehr von Unbewußtheit narkotisiert sind. Wir haben nicht mehr, durch Leugnung oder Bewusstseinsspaltung, diesen Abstand zu unseren Erfahrungen. Wir fangen an, die Wahrheit über die Spiele, die wir spielen, zu sehen.

Dieser Prozeß kann so schmerzhaft sein, daß wir versucht sind, den Rückwärtsgang einzulegen. Es braucht Mut – hier wird oft vom Weg des spirituellen Kriegers gesprochen – um den scharfen Schmerz der Selbstentdeckung auszuhalten, statt den dumpfen Schmerz der Unbewusstheit zu wählen, der dann für den Rest unseres Lebens andauert. “ (S. 130/131)

 

Genau so ist es, und es lohnt sich SO. SEHR.

Auch ich selbst habe erlebt wie es ist, massiv belogen und getäuscht zu werden. Und bei allem Schmerz den ich spürte als endlich alles ans Licht kam, kam ich nicht umhin, auch stolz auf mein Gegenüber zu sein und großen Respekt für ihn zu empfinden. Er hatte sich entschieden endlich reinen Tisch zu machen; auch auf die Gefahr hin daß ich mit dem was ich erfahre nicht würde umgehen können, und ich vielleicht nicht mehr Teil seines Lebens sein würde. Es trotzdem zu erzählen war ein großer Liebesbeweis – mir, aber vor allem auch sich selbst gegenüber.

Es war mutig und stark und es war richtig. Und egal was diese Offenbarung letztlich noch für Auswirkungen haben wird, er kann seitdem aufrechter durchs Leben gehen. Er ist über sich und seine Angst hinausgewachsen.

Und ich war auch stolz auf mich. Denn ich hatte mich an diesem Morgen bewusst dafür entschieden mich der Wahrheit zu stellen, obwohl ich wusste daß es wahrscheinlich ziemlich schmerzhaft werden würde. Ich stand im Bad und mir kam der Gedanke: „Wenn ich das jetzt frage; wenn ich wirklich darauf bestehe in diesem Punkt eine ehrliche Antwort zu bekommen, dann kann das mein ganzes Leben verändern; dann gibt es wahrscheinlich kein Zurück mehr. Will ich das wirklich?“

Ich hätte die Dinge auch einfach laufen lassen können, aber ich bin nunmal ich – und ich will einfach immer das Echte, egal wie weh es mitunter auch tut. Und so wusch ich mir das Gesicht, atmete tief durch und ging hinaus, um die Wahrheit willkommen zu heißen.

Die Nacht darauf war schlimm; ich habe kaum geschlafen und die Zukunft war ungewiss. Aber trotzdem wusste ich, daß ich mich immer und immer und immer wieder für diesen Weg und den damit verbundenen Schmerz entscheiden würde, wenn die Alternative dazu ein Leben in Lüge und Unbewusstheit wäre. Denn inzwischen kenne ich die transformierende Kraft dieses Schmerzes so gut, daß ich mich ihm einfach anvertrauen kann. Ich weiß, daß am Ende etwas Gutes für mich herauskommen wird. Daß, was immer daraus auch entsteht, klarer, gesünder, wahrhaftiger, stärker und schöner sein wird, als jegliche Lüge es je sein könnte.

Und ich wusste, daß ich mit diesem Schritt gut für mich gesorgt habe und liebevoll zu mir war – denn auch mich haben die Lügen im wahrsten Sinne des Wortes krank gemacht. Während der Zeit, in der ich dieser Unehrlichkeit ausgesetzt war, hatte ich so viele Erkältungen und Nackenprobleme, wie sonst in mehreren Jahren zusammen.

Unser Unterbewusstsein spürt ganz genau, ob wir uns in einem Umfeld bewegen das gut für uns ist oder nicht – und unsere Seele oder unser Körper geht dann, um uns genau das mitzuteilen, in die Symptomatisierung und entwickelt Schmerzen oder Beschwerden. Wir können das nicht immer greifen, und oft dauert es, bis die Zusammenhänge deutlich werden oder wir genug Mut gesammelt haben, genau hinzuschauen. Aber wenn es uns dann klar wird; wenn wir deutlich sehen was tatsächlich passiert, dann geht es darum Verantwortung für uns zu übernehmen und gut für uns zu sorgen. Denn egal was uns widerfährt: Wir sind keine Opfer, wenn wir uns nicht selbst dafür entscheiden, Opfer zu sein.

Jede Situation, und sei sie auch noch so schmerzhaft, hält immer auch etwas gutes für uns bereit. Und die Menschen, die uns die größten Schmerzen zufügen, sind unter unter Umständen unsere größten Verbündeten auf dem Weg unserer seelischen Entwicklung. Aber das Potential einer solchen Situation können wir natürlich nur nutzen wenn wir auch hinschauen; wenn wir uns endlich dem stellen, was wir so lange nicht wahrhaben wollten. Denn zum Lügen gehören immer zwei: Einen der lügt, und einen, der die Lügen glaubt. Und es ist wichtig daß wir unseren Teil der Verantwortung übernehmen, anstatt uns in Vorwürfen und Angriffen zu verlieren; egal ob uns selbst oder dem Anderen gegenüber. Denn das bringt nichts in Lösung und uns nicht voran, sondern lenkt nur vom Wesentlichen ab; wenn wir uns der Angst und dem Schmerz aber wirklich stellen und erkennen was sie uns über uns erzählen, werden wir am Ende immer gewinnen.

 

 

 

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